Angeschlagene Immobilienfonds lieber bunkern

By | June 29, 2012

Es ist im Grunde die Frage, ob ihnen der Spatz in der Hand lieber ist als die Taube auf dem Dach, die Immobilienfondsanleger beantworten müssen. Und es sind viele, die das entscheiden müssen. Mit dem SEB Immoinvest und dem CS Euroreal der Credit Suisse haben zwei weitere große offene Immobilienfonds aufgegeben. Damit verschwinden insgesamt zehn Fonds vom Markt. Für Anleger, die Anteile an diesen Fonds halten, heißt das: Sie können die Papiere weiterhin nicht an die Fondsgesellschaften zurückgeben, sondern sie müssen die Anteile entweder halten und warten, was die Liquidation des Fonds an Erlösen ergibt. Oder sie sehen zu, dass sie die Papiere über einen Börsenplatz wie die Fondsbörse Hamburg abstoßen.

An den Börsen brummt das Geschäft mit den sonst unhandelbaren Fondsanteilen. Käufer lassen sich meist nach kurzer Zeit finden. Dafür sind die Abschläge aber satt: Zwischen 30 und 50 Prozent vom letzten offiziellen Kurswert müssen Anleger abschreiben, wenn sie ihre Papiere vorzeitig losschlagen. Was übrig bleibt, ist nicht mehr als der Spatz in der Hand. Sicherheitsbewusste mögen nun sagen, der sei schon immer besser gewesen als die Taube auf dem Dach. Das Warten auf die Erträge, die eine Abwicklung bringen mag, sei doch viel zu riskant. In diesem Fall aber sei ihnen gesagt: Die Tauben, die in Großstädten auf Dächern sitzen, sind standfest und können sehr zutraulich werden. Und Immobilienfonds sind schließlich Großstadtanlagen.

Die Chance, dass Anleger mehr Geld herausbekommen, wenn sie die Abwicklung der Fonds abwarten, ist laut Immobilienexperten sehr hoch. Auch wenn es bis dahin rund fünf Jahre dauern wird. Wenn es den Fonds nämlich gelingt, ihre Bürotürme, Einkaufscenter und Prestigeimmobilien mindestens zu Einstandspreisen zu verkaufen, sehen die Anteilseigner einen Großteil ihres Geldes wieder. Oder sogar alles.

Mit dem CS Euroreal und dem SEB Immoinvest etwa hat es zwei Branchengrößen erwischt, die Analysten für recht gut aufgestellt halten. Der Credit-Suisse-Fonds hat gute Immobilien im Portfolio und werde wohl keine großen Probleme haben, diese bis 2017 zu veräußern, sagt etwa Sonja Knorr, Immobilienfondsanalystin bei Scope. Auch für den KanAm Grundinvest gelte das. Zudem werden die Preise für Gewerbeimmobilien in den kommenden Jahren noch anziehen, sagen die Prognosen. Und wahrhaft eilig haben es die Fonds mit dem Verkauf ja nicht. Im Gegenteil, sie werden von der Finanzaufsicht Bafin angehalten, nicht voreilig zu Dumpingpreisen zu verkaufen. In der Zwischenzeit streichen sie Mieterträge ein und schütten deren Überschüsse an die Anleger aus. Ob es wirklich 6,2 Prozent sind, wie SEB Managerin Barbara Knoflach vor Fondschließung noch in Aussicht stellte, sei mal dahin gestellt.

Zweimal jährlich fließen die Erlöse aus den Immobilienverkäufen an die Anleger. Das ist zumindest sicherer als der dritte Weg, die Schadensersatzklage vor Gericht, die derzeit einige Anlegeranwälte propagieren. Wer sein Geld nicht unbedingt auf einen Schlag wiederhaben muss, sollte lieber seine Fonds festhalten, scheibchenweise Geld einstreichen, das noch fließt, und warten, ob daraus eine Taube wird.

Quelle: http://www.faz.net

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