Krankenkassen: Selbstzahler-Angebote meistens nutzlos

By | April 23, 2013

Sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die am häufigsten in Arztpraxen verkauften Selbstzahler-Angebote, bringen den Patienten aus Sicht der Krankenkassen meist nur wenig. Das teilte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) heute mit.

Somit hätten etwa Ultraschalluntersuchungen der Brust zur Krebsvorsorge, die Früherkennung von Grünem Star (Glaukom) oder von Prostatakrebs sowie die professionelle Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Paradontitis meist keinen klaren Mehrwert. «Die Mehrzahl der IGeL schneidet nicht gut ab, einige sogar sehr schlecht», sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick in einem Statement zum IGeL-Monitor, einer Internetplattform des MDS, die Patienten zu IGeL-Angeboten berät.

Der Markt für private Zusatzleistungen in der Arztpraxis wächst dabei stetig. Laut einer aktuellen Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) kommen IGeL immer häufiger vor. Wurden 2005 noch 11,4 Millionen solcher Angebote realisiert, sind es Ende 2012 bereits 18,2 Millionen gewesen. Fast jedem dritten Patienten wurde demnach im Jahr 2012 eine ärztliche Privatleistung angeboten oder in Rechnung gestellt. Laut der repräsentativen Befragung fühlte sich dabei aber jeder Fünfte schlecht oder sehr schlecht über die Selbstzahler-Leistung aufgeklärt und beraten. Bei mehr als einem Viertel dieser angebotenen IGeL-Angebote fühlten sich die Patienten zeitlich unter Druck gesetzt.

Die Angebote dieses zusätzlichen privaten  Marktes, die laut WIdO den Ärzten einen jährlichen Zusatzverdienst von schätzungsweise 1,3 Milliarden Euro bringen, reichen von kosmetischen Behandlungen, Reiseimpfungen, Früherkennungsuntersuchungen und Laborleistungen bis hin zu neuen Behandlungsverfahren.

Grund für die Untersuchung war nach Angaben der Krankenkassen die Diskussion um das Patientenrechtegesetz, das im Januar 2013 in Kraft getreten ist. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte eingeräumt, dass die Art und Weise, wie Ärzte Selbstzahler-Leistungen anbieten, nicht klar geregelt ist.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, betont erneut, es sei wichtig, dass Ärzte verantwortungsvoll mit diesen Selbstzahler-Leistungen umgehen. Die Bewertungen der WIdO-Untersuchung hält er aber teilweise für wissenschaftlich fragwürdig. Gleichzeitig verwies er in seinem Statement auf den überarbeiteten IGeL-Ratgeber «Selbst zahlen?» von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung, der Ärzten als Leitfaden dienen soll. «Erklärtes Ziel des Ratgebers ist es, das offene Gespräch zwischen Arzt und Patient zu fördern», so Montgomery.

Quelle:

www.pharmazeutische-zeitung.de/

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